Gedanken zum Naturschutz

Meeresschutz Pazifik



Forschen für den Meeresschutz

6. Juli 2014

Letzte Woche habe ich zusammen mit zwei KollegInnen an einem Workshop zum Thema Meeresschutz teilgenommen, der von einem Dozenten der Columbia Universität, New York City, hier in Suva veranstaltet wurde. Die TeilnehmerInnen waren vor allem Naturschützer aus verschiedenen pazifischen Inselstaaten, die entweder für NGOs oder Regierungsbehörden arbeiten.
Ich fand vor allem spannend, wie der Dozent zeigte, dass die Erkenntnisse aus wissenschaftlichen Studien unmittelbare Relevanz für die Meeresschutzbemühungen im Pazifik haben. Er betonte, dass NGOs und Naturschützer wissenschaftliche Fakten nutzen können, um die Bevölkerung vor Ort von der Notwendigkeit von Schutzmaßahmen zu überzeugen und vielleicht noch wichtiger, um Entscheidungen zu treffen welche Interventionen nachhaltig sind.
Ich habe noch mal mehr darüber gelernt, welchen Einfluss Klimawandel und die Versauerung der Meere auf Meeresbewohner hat. Bei erhöhten Temperaturen brauchen Organismen mehr Energie in Form von Nahrung, weil die Stoffwechselrate steigt und mehr Hitzeschockproteine produziert werden müssen. Der niedrige ph-Wert erschwert die Bindung von Kalzium, was essentiell ist für Korallen und Schalentiere, wie Krebse, Muscheln, Schnecken. Niedrige ph-Werte beeinflussen auch die Sinnesfunktionen der Fische, weil die Gleichgewichts- und Sinnesorgane kalziumhaltige Biomineralien, sogenannte Statolithen, beinhalten. Mehrere Studien haben gezeigt, dass Fische in saurem Wasser ihr Verhalten ändern, Fraßfeinde nicht mehr wahrnehmen und wie die Autoren einer Studie schrieben „sich wie waghalsige Teenager benehmen“. Unser Dozent meinte, dass das Meer zu einer sauren und heißen Suppe wird. Ein weiterer Schwerpunkt der Diskussion war, wie man Meeresschutzgebiete so gestalten kann, dass sie Zustimmung von der Bevölkerung bekommen und Artenvielfalt bewahren.
Neben spannenden, aber auch irgendwie deprimierenden Vorlesungen, haben wir Ausflüge gemacht. Wir waren auf dem Fischmarkt in Suva, haben geschaut welche Fischarten verkauft werden und konnten mit den Fischern reden, wie und wo sie die Fische gefangen haben.

Die bläulichen Fische, rechts und links im Bild, sind Papageienfische, sehr wichtige Bewohner von Korallenriffen, weil sie tote Korallen fressen und das Riff dadurch von Algen befreien. Sie sind auch wichtig für uns, weil das Verdauungsendprodukt Sand ist und so die von uns so geliebten Strände entstehen. Der gelbe Fisch, dritter von rechts, ist wahrscheinlich ein Imperator-Kaiserfisch. Lebend wäre dieses Exemplar tausende Dollar für den Aquarienhandel wert. Noch viel wertvoller sind sie in Korallenriffen, weil sie die Korallen von Schwämmen und Algen befreien und von TaucherInnen bestaunt werden können.

Dies sind Stücke eines Mondfisches, der schwerste Knochenfisch der Welt. Mondfische leben im offenen Ozean von der Oberfläche bis in Tiefen von über 400m. Die Verkäuferin erzählte, dass dieses Exemplar als Beifang in einem chinesischen Fischerboot gefangen wurde.

Mittwoch waren wir Schnorcheln in einem Tabu-Gebiet, dass in den traditionellen Fischgründen des Dorfes Navakavu angelegt wurde. Wenn ein Dorf sich entschließt ein solches Tabu-Gebiet zu gründen, verpflichten sich die Bewohner in diesem Gebiet nicht mehr zu fischen, so dass sich die Bestände erholen können. Dieses Tabu-Gebiet wurde allerdings nach 10 Jahren für zwei Wochen geöffnet, weil die Bewohner Geld für die Renovierung des Kirchdaches brauchten. Den gefangenen Fisch konnten sie für 14.000 Fiji Dollar verkaufen. Danach gab es aber quasi keine Fische mehr in diesem Tabu-Gebiet. Und auch jetzt, nach zwei Jahren habe ich gerade mal zwei Fische gesehen, die größer als meine Hand waren. Dies ist kein Vergleich, zu dem Korallenriff in Nanu-i-ra, wo ich letztes Wochenende 50 m vom Strand entfernt fünf ca. 40cm große Papageienfische an einer einzigen Stelle gesehen habe.

Am letzten Tag sind wir in einem kleinen Fluss vom oberen Flusslauf mit dem Boot zur Flussmündung im Meer gefahren. Dabei haben wir ph-Wert und Salzgehalt des Wassers in verschiedenen Etappen gemessen.


Außerdem wollten wir mit einem Netz an den verschiedenen Etappen Fische fangen. Das Netz blieb, obwohl wir im stark matschigen Mangrovenwald alles gegeben haben, fast immer leer.


Nur dieser kleine Hornhecht hat sich im Netz verirrt .... Wir haben ihn dann wieder freigelassen.

Schwer zu sagen zu wie vielen Teilen unser Misserfolg an der starken Versandung des Flusses lag als Resultat der Abholzung flussaufwärts, oder mangelnden Fähigkeiten unsererseits . Es war jedenfalls eine spannende, lehrreiche und vor allem auch witzige Woche.




Das leidige Thema Klimawandel

22. Juni 2014

Ehrlich gesagt schenke ich dem Thema Klimawandel kaum noch Beachtung, obwohl es – ohne übertrieben polemisch sein zu wollen – mittelfristig wohl die größte Bedrohung für das Leben auf der Erde ist, so wie wir es kennen. Mein Desinteresse ist das Resultat der end- und ergebnislosen internationalen Klimaverhandlungen, bei denen nach anfänglicher Euphorie die Regierungsvertreter derzeit nach dem Motto argumentieren „ Wenn ihr nichts macht, machen wir auch nichts“. Und als vor ein paar Jahren die deutsche Regierung verhinderte, dass die EU strengere Abgasregelungen für Autos durchsetzt, mit dem Verweis auf die Möglichkeit, dass Arbeitsplätze abgebaut werden könnten, habe ich das Vertrauen verloren, dass die deutsche Regierung ein ernsthaftes Interesse am Umweltschutz hat.
Bei den pazifischen Inselstaaten hat der Klimawandel allerdings eine ganz andere Aktualität und hier geht es nicht darum, ob Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren. Durch den steigenden Meeresspiegel werden die Küstengebiete überflutet und damit verlieren die Menschen alles. Leider ist das keine übertriebene Panikmache, sondern in Kiribati wurden bereits Dorfgemeinschaften von der Küste ins Landesinnere umgesiedelt. Da viele Inseln aber sehr klein sind, funktioniert dies nur bis zu einem bestimmten Punkt. Schon jetzt wissen die Bewohner in einigen Gebieten Kiribatis nicht, wo sie die Verstorbenen beerdigen sollen, weil es einfach nicht genug Platz gibt. Der steigende Meeresspiegel führt außerdem dazu, dass das Grundwasser zunehmend versalzt, mit katastrophalen Auswirkungen auf die Trinkwasserversorgung und Landwirtschaft. Vor kurzem hat die Regierung von Kiribati sogar Land hier in Fidschi gekauft.

Wie stark die einzelnen Länder vom Anstieg des Meeresspiegels betroffen sein werden, hängt vor allem von der Topografie ab. Die Fidschi Inseln und Vanuatu haben hohe Berge im Landesinneren, so dass nur die Küstengebiete überschwemmt werden. Kiribati hingegen besteht nur aus Atollen, die nur ein paar Meter über dem Meeresspiegel liegen.
Mich schockiert daran am meisten, dass es einige pazifische Inselstaaten in 50 Jahren nicht mehr geben wird. Die betroffenen Staaten tragen quasi gar nicht zum globalen CO2 Verbrauch bei – wahrscheinlich verbraucht ein Bewohner weniger CO2 als ich mit einem Flug von Deutschland nach Fidschi – und doch sie mit am stärksten vom Klimawandel betroffen.

 


Und es bewegt sich noch mehr

14. Mai 2014

Ein kurzer Nachtrag zum Eintrag vom letzten Wochenende: Das Kabinett in Kiribati hat beschlossen, kommerzielle Fischerei innerhalb des PIPA Meeresschutzgebietes bis zum Ende dieses Jahres komplett zu verbieten. Nachdem der Präsident Anote Tong die Schaffung von PIPA im Jahre 2008 ankündigte, wurde er immer wieder dafür kritisiert, dass in dem Gebiet weiterhin kommerziell gefischt wird. Es wird geschätzt, dass im Jahre 2012 zum Beispiel bis zu 50.000 Tonnen Fisch in dem Gebiet gefischt wurden – eine ungeheure Menge für ein sogenanntes Naturschutzgebiet. Die Regierung rechtfertigte diese Tatsache damit, dass Kiribati, das von den Vereinten Nationen in die Gruppe der sogenannten am wenigsten entwickelten Ländern eingestuft wird, die Einnahmen von den ausländischen Fischflotten benötigt.

Naturschützerinnen argumentierten allerdings, dass PIPA lediglich 11% der Ausschließlichen Wirtschaftszone Kiribatis ausmacht und somit entgangene Einnahmen in anderen Gebieten kompensiert werden könnten. Außerdem argumentierten sie, dass ein kompletter Schutz der Fischbestände innerhalb von PIPA langfristig zu einem Anstieg der Fischbestände in den umliegenden Gebieten führen wird.

Die Ankündigung der Regierung von Kiribati den kommerziellen Fischfang in PIPA nun doch zu verbieten, wurde mit entsprechend viel Lob von Naturschutzorganisationen aufgenommen und es wird gehofft, dass dies als Vorbild für Neukaledonien und die Cookinseln fungieren kann, die zurzeit darüber beraten ob und inwiefern der Fischfang in ihren riesigen Meeresschutzgebieten verboten werden wird.





Und manchmal bewegt sich doch etwas

10. Mai 2014

„Bis 2020 sind mindestens 17 Prozent der Land- und Binnenwassergebiete und 10 Prozent der Küsten- und Meeresgebiete, [...] geschützt und in die umgebende (terrestrische/marine) Landschaft integriert." Aichi-Ziel 11 der Biodiversitäts-Konvention


Da das Jahr 2020 näher rückt, scheinen sich immer mehr Staaten ernsthaft darüber Gedanken zu machen, wie sie die magischen 10% für Meeresgebiete erreichen sollen zu denen sie sich 2010 verpflichtet haben. Während Fidschi dieses Ziel dadurch erreichen will, dass es Gebiete, die im Rahmen traditioneller Nutzungs- und Eigentumsrechte von Dorfgemeinschaften gemanagt werden, als Schutzgebiete deklariert (siehe letzten Eintrag), gehen andere pazifische Inselstaaten einen eher klassischen Weg. Sie erklären große Meeresgebiete zu Naturschutzgebieten. Es scheint ein regelrechter Wettkampf darüber entbrannt zu sein, wer das größte Schutzgebiet hat.

Kiribati legte 2008 vor, als der Präsident Anote Tong ankündigte, ein 400.000 km2 großes Meeresschutzgebiet zu schaffen, PIPA (Phoenix Island Protected Area), und es als „Kiribatis Geschenk an die Weltgemeinschaft“ bezeichnete. Zu dieser Zeit war PIPA das weltweit größte Meeresschutzgebiet und wurde 2010 von der UNESCO als Weltnaturschutzerbe anerkannt.

Im August 2012 kündigte dann der Premierminister der Cookinseln an, den 1 Million km2 großen „Cook Islands Marine Park“ zu schaffen. Damit ging der Titel des größten Meeresnaturschutzgebietes nun an die Cookinseln.
In der vergangenen Woche erklärte dann Harold Martin, der Präsident von Neukaledonien, das zu Frankreich gehört, seine gesamte ausschließliche Wirtschaftszone von 1,4 Millionen km2 zum Schutzgebiet „Naturpark des Korallenmeeres“. Dieses Gebiet ist drei Mal so groß wie Deutschland. Somit hat nun Neukaledonien das größte Schutzgebiet der Welt mit 1.700 km2 Korallenriffen, 48 Haiarten, 25 verschiedene Arten von Meeressäugern und 5 Meeresschildkrötenarten.

Zu schön um wahr zu sein? Naja, für die Fische und Wale hat sich in den drei Meeresgebieten bis jetzt noch nichts geändert. Die Schutzgebiete stehen zwar auf Papier und in Gesetzen, aber erst in den kommenden Jahren werden Schutz- und Nutzungspläne in Zusammenarbeit mit Geldgebern und Naturschutzorganisationen ausgearbeitet, die Fischfang und andere Nutzungsformen einschränken werden. In Kiribati wird zum Beispiel nach neuen Finanzierungskonzepten gesucht, mit denen der Verzicht auf Einnahmen aus dem Verkauf von lukrativen Fischereilizenzen für Thunfisch an ausländische Flotten kompensiert werden kann.

Neben der Finanzierung, ist die Überwachung dieser riesigen Meeresgebiete wohl die größte Herausforderung für die Regierungen. Kiribati hat zum Beispiel nur ein einziges Patrouillenschiff, aber es zeichnen sich Kooperationen zwischen benachbarten Inselstaaten ab, die alle ein Interesse daran haben illegale Fischerei einzuschränken. Auch Überwachungen aus der Luft mit Hilfe der neuseeländischen oder australischen Luftwaffe werden diskutiert sowie die Benutzung von Drohnen.

In naher Zukunft könnte die Deklaration dieser Schutzgebiete vor allem dahin gehend wichtig werden, dass internationale Konzerne immer stärkeres Interesse bekunden, Rohstoffe aus dem Meeresboden fördern zu wollen und auch bereit sind für Förderrechte entsprechend viel zu zahlen. Nach Öl in Schutzgebieten zu suchen ist natürlich nicht unmöglich, wie man aktuell leider im Virunga Nationalpark sieht, der Heimat der weltweit bekannten Berggorillas. Aber es ist schwieriger dies vor der Öffentlichkeit zu rechtfertigen.

Aber auch schon jetzt senden die pazifischen Staaten mit der Deklaration dieser Schutzgebiete ein starkes Signal an die internationale Gemeinschaft, dass sie ihre internationalen Verpflichtungen ernst nehmen, sie ihren Beitrag zum Schutz der Artenvielfalt leisten wollen und selbiges von anderen Staaten erwarten.



Fidschi – Meeresschutz von unten

6. April 2014

Hier in der Region gibt es verschiedene Herangehensweisen, wie die Meeresressourcen geschützt und nachhaltig genutzt werden können, was u.a. Ausdruck der unterschiedlichen Ausgangssituationen in den einzelnen Ländern ist. In Fidschi und einigen anderen Inselstaaten gibt es immer noch starke traditionelle Eigentumsrechte an Land und küstennahe Meeresgebiete. Die Dorfgemeinschaften an der Küste Fidschis haben ausschließliche Eigentums- und Nutzungsrechte an den Lagunen und Korallenriffen, wobei der jeweilige Dorfchef entscheidet, wie diese Gebiete (auch Qoliqoli genannt) genutzt bzw. bewirtschaftet werden. Teil dieses Managements war und ist die Einrichtung von sogenannten Tabu-Gebieten, in denen z.B. bestimmte Fischarten gar nicht oder für eine bestimmte Zeit nicht gefangen werden dürfen. Ein Großteil des gefangenen Fisches wird für den Eigenkonsum genutzt; Fisch und Schalentiere stellen somit die wichtigste Proteinquelle für diese Dorfgemeinschaften dar.

Qoliqoli in Fidschi bei Ebbe: am rechten Bildrand die Mangroven, dann der Blick auf die Lagune und am Horizont sieht man die weißen Schaumkämme der Wellen, die sich am Korallenriff brechen.


In den letzten Jahrzehnten wurden immer weniger Fische gefangen, so dass viele Dörfer begannen in den 90iger Jahren mit der hiesigen Universität oder Nichtregierungsorganisationen zusammenzuarbeiten, um die Fischbestände gezielter nachhaltig zu managen. Viele positive Erfahrungen mit diesem Ansatz führten schließlich dazu, dass sich die unterschiedlichsten Initiativen, die im pazifischen Raum in dieser Zeit entstanden, zu einem Netzwerk zusammenschlossen – dem Netzwerk der Locally Managed Marine Areas (LMMA - eine etwas holprige Übersetzung ist ungefähr „lokal gemanagte Meeresgebiete“). Seit dem hat sich dieser Ansatz v.a. in Fidschi stark verbreitet und es gibt mittlerweile über 200 dieser Gebiete. Es wird geschätzt, dass im gesamten Südpazifik ca. 12.000 km2 aktiv von Gemeinden gemanagt werden, allerdings ist in nur 1.000 km2 davon der Fischfang komplett verboten.

Das spannende an dieser Herangehensweise ist, dass viele Dörfer tatsächlich das Gefühl haben, dass sie davon profitieren. In den Tabu-Gebieten können sich Fischbestände erholen, so dass auch außerhalb dieser Gebiete wieder mehr Fische gefangen werden und Arten zurück kehren, die vorher überfischt waren. Außerdem werden im Rahmen der Managementpläne, die in Zusammenarbeit mit der (ganzen) Dorfgemeinschaft erarbeitet werden, oft auch destruktive Fangtechniken verboten, z.B. Dynamit-Fischen, oder auch das Abholzen der Mangrovenwälder. Dieser Ansatz funktioniert v.a. deswegen, weil die Anwohner in die Entscheidungsprozesse einbezogen werden, sich deswegen idealer Weise auch an die Regeln halten und auch Strafen auferlegt werden können.

Es ist jedoch umstritten, ob dieser Ansatz auch zu einem Schutz der Artenvielfalt beiträgt, denn das Ziel der LMMAs ist es, eine nachhaltige Nutzung von Speisefischen zu ermöglichen. Es geht nicht um Naturschutz, oder den Schutz der Artenvielfalt. Das ist ein sehr aktuelles Dilemma, denn 168 Staaten haben sich im Rahmen der Biodiversitäts-Konvention dazu verpflichtet die sogenannten Aichi-Ziele zu erreichen (ähnlich wie die Millenium Entwicklungsziele nur in Bezug zur biologischen Vielfalt). Diese Staaten, wozu auch alle fünf unserer Projektländer gehören, müssen bis 2020 10 % ihrer Küsten- und Meeresgebiete unter Schutz stellen. Aktuell sind die Länder bei: Fidschi 2%, Kiribati 11%, Salomonen 5%, Tonga 2%, Vanuatu 1%. Deswegen ist es gerade sehr wichtig, ob diese LMMAs als Meeresschutzgebiete anerkannt werden oder nicht. Die Weltnaturschutzorganisation hat sechs Kategorien für Meeresschutzgebiete definiert und auch Kategorie sechs, die „schwächste“, setzt voraus, dass ein Gebiet mit dem Ziel gemanagt wird, die Natur zu schützen.

Andererseits argumentieren viele Experten, dass ein gewisses Management, wenn auch mit dem einzigen Ziel den Fisch nachhaltig zu nutzen, besser ist, als kein Management und v.a. auch besser ist, als die tausenden an Quadratkilometer sogenannter Papier-Parks, also Naturschutzgebiete die lediglich auf dem Papier existieren.
Jedoch ist eines der Probleme der LMMAs, aus der Perspektive des Naturschutzes, dass der Chef des Dorfes darüber entscheidet, was in seinem Qoliqoli passiert. Dementsprechend können Tabu-Gebiete auch kurzerhand für den Fischfang wieder geöffnet werden. Zum Beispiel brauchte in einem Dorf hier auf der Insel, die Gemeinschaft 10.000 F$ für die Reparatur des Kirchendaches. Also wurde für drei Tage das Tabu-Gebiet geöffnet, alles leer gefischt und der Fang verkauft.

Das zeigt, dass die Anerkennung der LMMAs als Naturschutzgebiete keine akademische Diskussion über Definitionen ist, sondern darüber, welche Naturschutzansätze in dieser Region funktionieren. Kiribati hat zum Beispiel einen ganz anderen Ansatz gewählt – mehr dazu später.

P.S.: Bei dem gerade genannten Beispiel aus Fidschi wäre es interessant, wie hoch der ökonomische Wert der langfristigen nachhaltigen Nutzung des Fisches wäre. Der kurzfristige Wert waren mehrere Tausend Dollar. Vielleicht wäre die Entscheidung anders ausgefallen, hätte die Dorfgemeinschaft gewusst, wie hoch der ökonomische Wert in Dollar ist, der aus einem nachhaltigen Management entsteht.



Irgendwo auf einer Insel im südlichen Pazifik

23. März 2014

Zunächst ein paar Infos zu dem Projekt indem ich arbeite. Das Projekt agiert in fünf Ländern im südlichen Pazifik: Fidschi, Kiribati, Salomonen, Tonga und Vanuatu. Wir arbeiten in Kooperation mit IUCN (International Union for Conservation of Nature/ Weltnaturschutzunion) als technischen Partner und SPREP (Secretariat of the Pacific Regional Environment Programme/ Sekretariat des pazifischen regionalen Umweltprogrammes) als regionalen Partner.

Das übergeordnete Ziel des Projektes ist es, Methoden für ein nachhaltiges Management der Meeres- und Küstenressourcen zu etablieren. Konkreter heißt dies, dass zunächst ein wirtschaftlicher Wert für Ressourcen (z.B. Fisch) und Ökosystemdienstleistungen (z.B. Küstenschutz durch Mangrovenwälder) ermittelt werden soll. Diese monetäre Wertschätzung soll dabei helfen Regierungsvertreter davon zu überzeugen, dass ein nachhaltiges Management der Ressourcen durchaus ökonomisch sinnvoll ist, auch wenn es zunächst Kosten verursacht. Diese Methode wurde im Rahmen der internationalen Forschungsstudie TEEB (The Economics of Ecosystems and Biodiversity/ die Wirtschaftslehre von Ökosystemen und Artenvielfalt) entwickelt und die Kollegen von IUCN kümmern sich um diesen Aspekt des Projektes. Ich werde in den nächsten Wochen bestimmt mehr zu diesem Thema schreiben, denn zum einen hatten wir letzte Woche einen spannenden Workshop dazu, zum anderen wird der Ansatz durchaus kritisch diskutiert.

Ein weiteres Ziel des Projektes ist es eine maritime Raumplanung zu etablieren, so dass die verschiedenen Nutzungen des marinen Raumes, z.B. Fischerei, Transport, Tourismus oder Naturschutz, so koordiniert werden, dass Konflikte vermieden und Ressourcen nachhaltig genutzt werden. Auch dies ist ein relativ neues Konzept, was mich zunächst überraschte, da es mir logisch erschien, dass es ähnlich wie Flächennutzungspläne, eine Planung für Meeresgebiete geben würde. Allerdings hat zum Beispiel die EU Kommission erst vor einem Jahr eine Richtlinie veröffentlicht, nach der die EU-Mitgliedsstaaten eine solche Raumplanung erstellen und miteinander koordinieren sollen (einige EU Länder haben schon vor einigen Jahren diesen Prozess begonnen, z.B. mit dem BaltSeaPlan für die Ostsee). Damit will ich nicht implizieren, dass die EU der Maßstab aller Dinge ist. Es zeigt jedoch die Schwierigkeit der Planung im marinen Raum, selbst für eine Institution, die über ungleich mehr technische und finanzielle Kapazitäten verfügt als pazifische Inselstaaten, und nicht bekannt ist für ihre Zaghaftigkeit, wenn es um Regulierungen geht. Im Kontext der Projektländer bedeutet dies konkret, dass eine Flächennutzungsplanung für eine Fläche von 7.560.000 km2 (21-fache Fläche Deutschlands) angestrebt wird. Dies ist die Fläche der Ausschließlichen Wirtschaftszone aller fünf Projektländer mit einer Gesamtbevölkerung von weniger als 2 Millionen Menschen.

Zum Schluss noch kurz, ein paar Worte dazu was ich zurzeit hier konkret mache. Zusammen mit einem Kollegen, arbeite ich an der Analyse der relevanten Policy Dokumente der Projektländer. Für Policy konnte ich keine passende deutsche Bezeichnung finden (laut Wikipedia ist dies ein eingedeutschter Begriff der die inhaltliche Dimension der Politik meint ). In unserem Fall sind das Richtlinien oder Konzepte der Regierung, die darstellen mit welchen Strategien die Politik ihre Ziele erreichen möchte. Dazu gehören z.B. die nationalen Entwicklungsstrategien der einzelnen Länder, die Jahresplanung des Ministeriums für Fischerei oder des Fachbereichs Umwelt, aber auch Management Pläne für einzelne Meeresschutzgebiete. Wir arbeiten noch an der Methodik für die Analyse und wollen v.a. herausfinden, inwiefern der ökonomische Wert von Meeresressourcen anerkannt wird, welche Managementstrategien verfolgt werden und in welchem Umfang die Bevölkerung vor Ort in diese Prozesse eingebunden wird. Die Idee ist, dass mit diesem Wissen, die Ergebnisse der TEEB Studie und eine maritime Raumplanung erfolgreicher in die nationale Planung integriert werden können.

Dies also erst mal ein grober Überblick und demnächst dann mehr.
 


Bula ihr Lieben!

18. März 2014


Blüte des Hibiskus, der Nationalpflanze Fidschis


Ich dachte, ich nutze diesen Weg mal wieder um einige der Gedanken und Eindrücke von hier mit euch zu teilen. Diesmal also aus Fidschi, mit dem ich vor meiner Ankunft nur Traumstrände und Menschen in Baströcken verband. Die Ernüchterung kam dann kurz nach der Ankunft, als ich feststellte, dass es hier in Suva weit und breit keinen Strand gibt. Und nur wenn ein Kreuzfahrtschiff im Hafen vor Anker liegt und die Stadt für einige Stunden von hunderten Touristen erkundet wird, steht vor einem der Souvenirläden ein Mann im Bastrock und lädt Touristen zum Shoppen ein. So viel also zu meinen Vorurteilen ...

Diesmal gibt es leider keine niedlichen Tierfotos, ich sitze lediglich im Büro. Meine Arbeit und den Kontext des Projektes finde ich aber sehr spannend und freue mich in den nächsten Wochen und Monaten Ideen mit euch zu teilen und würde mich auch sehr über Kommentare, Fragen und Anregungen freuen, z.B. links unter "Kommentare", oder per E-Mail, Skype.